Ein Kind, ein Bambusstab und ein Frosch der alles verändert hat!

A small wooden desk arranged for reflective planning, with an open spiral-bound notebook showing a mind map of colorful sticky notes labeled with terms like “Reizüberflutung” and “Stärken,” all written in neat, legible handwriting. Next to it lies a smooth green frog figurine symbolizing calm attention, placed beside tidy stacks of pastel index cards and a closed laptop. The scene is set near a large classroom window, soft daylight filtering through sheer curtains, casting gentle, elongated shadows. Photographic realism, eye-level composition with shallow depth of field keeps the notebook and frog in sharp focus while the rest of the calm, professional workspace softly blurs, creating an atmosphere of thoughtful, supportive pedagogy around Neurodivergenz without any people present.

Warum ich der Froschpaedagoge bin – und was ein Frosch mit Neurodivergenz zu tun hat

Es gibt Momente die man nicht plant, die einfach passieren und die im Nachhinein erklären warum man genau dort gelandet ist wo man ist. Für mich war einer dieser Momente ein Kind mit einem Bambusstab.

Von der Praxis in die Theorie

Als ich 2020 mein Abitur gemacht habe, hatte ich keinen Plan der aussah wie eine klassische Erzieherkarriere. Ein abgebrochenes Studium, Zeitarbeit in einer Kita, zufällig, ungeplant, ohne theoretisches Fundament im Gepäck. Keine Fachbegriffe, keine Ausbildung, keine Schubladen in die ich Kinder hätte stecken können.

Was ich hatte waren Augen. Und Kinder die mich täglich vor Fragen stellten auf die ich keine fertigen Antworten kannte.

Also habe ich das einzige getan was mir blieb und beobachtet. Habe versucht zu verstehen warum ein Kind so ist wie es ist, ohne Theorie, ohne Diagnose, einfach nur durch genaues Hinschauen. Die Fachbücher, die Fortbildungen und die Weiterbildungen kamen danach. Plötzlich hatte das was ich in der Praxis längst erlebt hatte einen Namen, einen Kontext, eine Erklärung. Ich bin andersrum gekommen als die meisten, von der Praxis in die Theorie und nicht umgekehrt. Und ich glaube dass genau das mein größtes Geschenk ist, weil ich Verhalten zuerst mit menschlichen Augen gesehen habe bevor ich es mit Fachbegriffen eingeordnet habe.


Das Kind mit dem Bambusstab

In meinem ersten Jahr als Erzieher gab es ein Kind in meiner Gruppe das sehr körperlich war, sehr laut, sehr präsent. Schlagen, schreien, andere Kinder mieden es, Fachkräfte waren erschöpft, Eltern verzweifelt. Dann kam ein Tag der sich eingebrannt hat. Das Kind schlug mit einem Bambusstab auf ein anderes Kind ein, immer weiter, bis es wirklich blutete und ein Arzt kommen musste.

In diesem Moment hätte man viele Schlüsse ziehen können. Ich habe einen gezogen der nicht aus Weisheit kam, sondern schlicht daraus dass ich keine Theorie kannte die mir etwas anderes gesagt hätte. Dieses Kind schreit um Hilfe. Es hat nur noch keine anderen Worte dafür gefunden.

Also bin ich näher rangegangen, habe Bindung aufgebaut, seine Wutausbrüche nicht weggemacht sondern begleitet, ausgehalten, immer wieder. Bis irgendwann etwas passierte das ich nie vergessen werde. Das Kind kam freiwillig auf mich zu und bat um Hilfe. Wir haben gemeinsam herausgefunden was ihm hilft, wie es sich regulieren kann, welche Wege es statt des Bambusstabs gehen kann. Dieser Moment hat mich zu dem gemacht was ich heute bin, nicht die Zertifikate, nicht die Weiterbildungen, sondern dieser eine Junge der gelernt hat dass sein Verhalten keine Waffe sein muss.


Und dann kam Helmut

Helmut war kein Plan. Helmut ist passiert, so wie die meisten guten Dinge im Leben.

Angefangen hat alles mit ganz normalen Emotionsangeboten, Farbkarten und Gefühlsbildern, das übliche Material eben. Irgendwann habe ich eine Handpuppe gefunden, einen grünen Frosch, zufällig, weil Frösche meine Lieblingstiere sind und dieser Frosch einfach da war. Die Kinder haben ihn sofort geliebt und ich habe ihn immer häufiger eingebaut, bis wir irgendwann gemeinsam, die Kinder und ich, eine Geschichte daraus gemacht haben.

Helmut war Wetterfrosch, hat funktioniert, geliefert, jeden Tag das erwartet was von ihm erwartet wurde. Bis der Druck zu groß wurde und er eines Tages einfach losgegangen ist, in den Wald, ohne Plan, auf der Suche nach etwas das er selbst noch nicht benennen konnte. Dort traf er Tiere mit Gefühlen die sie nicht kannten und half ihnen, wurde vom Wetterfrosch zum Gefühlsfrosch. Wenn ich heute auf diese Geschichte zurückschaue merke ich dass Helmut nicht nur eine Figur für die Kinder ist, sondern auch meine eigene Geschichte erzählt und die Geschichte vieler Kinder die ich in den letzten Jahren begleitet habe.


Warum dieser Blog

Es gibt eine Lücke die mich seit Jahren beschäftigt. Auf der einen Seite Eltern die nicht verstehen was in der Kita passiert, warum ihr Kind jeden Morgen weint, warum es zu Hause anders ist als in der Gruppe, warum niemand ihnen wirklich erklärt was Neurodivergenz im Alltag bedeutet. Auf der anderen Seite Fachkräfte die herausforderndes Verhalten täglich erleben, die erschöpft sind und manchmal nicht wissen wohin damit, obwohl sie die Theorie kennen.

Ich war auf beiden Seiten dieser Lücke. Als Quereinsteiger ohne Theorie, als Fachkraft der einen Jungen mit einem Bambusstab begleitet hat, als jemand der Helmut nicht erfunden sondern gefunden hat. Dieser Blog ist die Brücke, für Fachkräfte die verstehen wollen, für Eltern die Antworten suchen und für alle die glauben dass hinter jedem schwierigen Verhalten ein Kind steckt das einfach nur gehört werden möchte.

Willkommen beim Froschpaedagoge.


Was beschäftigt euch im Kita-Alltag oder als Eltern am meisten? Ich freue mich auf eure Gedanken in den Kommentaren.

Hinterlasse einen Kommentar